An alle, die heute auf die Straße rennen, weil „Flüchtlinge“ Gewalt gegen Frauen verübt haben an Silvester.

In irgendeiner Stadt. „Ausländer“. „Die Anderen“.
Die, denen „wir Sachen gespendet und Obdach gegeben haben“ und „das ist jetzt der Dank“.

Ich habe etwas dazu zu sagen. Ich als Frau. Ich als Mensch. Ich als ich. Als Deutsche. Als Europäerin. Ich als blondes, blauäugiges Mädchen. Ich als arbeitende, selbstständige Mutter, Tochter, Tante, Nachbarin und Reiche unter den Armen. Ich als Arme unter den Reichen.

Ich als Steuern zahlendes, hart arbeitendes Rädchen in der Gesellschaft.
Ich vom Dorf. Ich aus dem Block. Ich aus dem „Assi-Kanaken-Viertel“

Ich als Rebell und schlechter Schüler. Ich als braves Mädchen mit glatt gekämmten Zöpfen.

Ich als „Hure“, „Schlampe“, und „deutsche Fotze“, ich als „hübsches Mädchen, das LEIDER tätowiert ist“.

Ich als Opfer von Sexismus, männlicher Gewalt – körperlich und psychisch.
Ich als Opfer von Sexismus und Diskriminierung von Frauen gegen Frauen. Ich „Babyschlampe“ mit den kurzen T-Shirts.

Ich als aus Verlegenheit Mitlachende an der Bar. Ich als „verklemmte Spielverderberin“:

Ich bin erschüttert über die Vorfälle an diesem Abend und habe großes Mitgefühl mit den Opfern.

Aber ich habe eine Botschaft an alle, die heute ihren fürchterlichen Rassismus und ihre Menschenverachtung unter dem Deckmantel der „Gleichberechtigung“ zu verstecken versuchen:

Ich bin unter Sexisten aufgewachsen. Russen, Deutsche, Kurden, Inder, Albaner und Araber, Polen, Schwaben, Ossis, Alles was ihr euch vorstellen könnt.

Ein Albaner hat mir Drogen in meinen Drink getan und ein Deutscher hat mich vergewaltigt. Nicht nur einer. Seelisch. Körperlich. Ein Türke hat mich ins Gebüsch gezogen und ein Neonazi hat mir gesagt dass ich selbst schuld daran sei, weil mein Rock zu kurz war. Frauen waren deshalb schadenfroh und haben gelacht weil sie froh waren, dass ihre Röcke nicht zu kurz, ihre Körper gut genug geschützt waren. Mit Kopftüchern oder Jeans. Türkinnen und schwäbische Mädchen. Egal. Russen haben mich auf der Straße verfolgt und deutsche Frauen haben mich beschimpft und mir die Augen ausgekratzt dafür, was ich bin. Mich verletzt und fertig gemacht. Mich gequält und erniedrigt. Lehrer und Lehrerinnen haben mich und Mitschüler erniedrigt und für unsere Sexualität und Geschlechtlichkeit ausgelacht oder reglementiert. und sie alle haben das gleiche vermutlich auch erfahren.
Jede Art von psychischer oder physischer Gewalt ist schrecklich, grausam und sollte nicht geschehen!

Was machen wir nun mit den ganzen Sexisten in unserem Land und mit den frauenfeindlichen Gewalttättern und Täterinnen? Was mit den männerfeindlichen?
Lehrer, Pfarrer, Vorstände, Väter, Mütter, Pädagogen und Pädagoginnen?
Politiker und Politikerinnen? Diskothekenbetreiber und Motorradclubs?
Kann man die auch „abschieben“ bitte?

Was machen wir mit frauenverachtenden Studentenverbindungen und sexistischen Professoren, Glaubensgemeinschaften, Arbeitgebern oder Stammtischgesellschaften?

Kinofilmen und Kinderprogramm? Überraschungseiern und andere „für Mädchen oder Jungs“ deklarierte Spielsachen?

Was mit den Leuten die unseren Kindern erzählen wie sie zu sein haben? Wenn sie dieses oder jenes Geschlecht haben. Was mache ich als „deutsche Hure “ mit einem Mann, der mich einfach anfasst und nicht meine Sprache spricht. Was mit einem, der mich einfach anfasst und meine Sprache spricht?
Was mit einem Mann, der keinen Respekt vor mir hat obwohl er von meinen Steuergeldern lebt und was mit einem, der keinen Respekt vor mir hat obwohl er meine Musik kauft?

Was mache ich mit einem Mann, der mich sexuell belästigt und dem ich einen Job gegeben habe? Was mit einem, der mir einen Job gegeben hat?

Was machen wir mit den ganzen deutschen und „ausländischen“ Männern und Frauen die sich „lustige“ Videoclips auf ihren Smartphones zuschicken in denen sexuelle Gewalt verherrlicht wird? Die sich darüber kaputtlachen, dass da eine Frau einen Riesenpenis ins Gesicht geklatscht bekommt und dann zu ihrer Frau sagen: „ach Schnuppi, stell dich nicht so an – ist doch nur n Spaß?“

Hm?

Ihr wollt anfangen „unser Land“ aufzuräumen?

Na dann los! ES GIBT VIEL ZU TUN!
Fangt mal bei euch selbst an!

Mit freundlichen Grüßen:

Sarah Lesch

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4 Gedanken zu “An alle, die heute auf die Straße rennen, weil „Flüchtlinge“ Gewalt gegen Frauen verübt haben an Silvester.

  1. Petra und Christoph Linke schreibt:

    Liebe Sarah,
    danke für diese offenen und guten Worte. Besser kann man es nicht sagen.
    Es spielt keine Rolle, welche Hautfarbe et.c. ein Mensch hat , wenn er Täter oder Opfer ist. Wir alle sind Menschen und jeder sollte vor jedem Respekt haben.
    Ja, es gibt viel zu tun und vielleicht wird es auch nicht leicht, aber wenn wir es nicht versuchen, wird es auch nicht besser.

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