Ich mochte ja den Muttertag nie.

Ich finde immer, dass das weder was mit meiner Mutter zu tun hat, noch mit mir. Höchstens mit Hitler, weil der den erfunden hat- dachte ich.
Stimmt aber nicht. Hab gestern nachgeguckt bei Wikipedia:
Wurde von einer Amerikanerin gegründet und hieß: MOTHERS FRIEDSHIP DAY.
1870 wurde von noch einer Amerikanerin eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort PEACE AND MOTHERHOOD gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.
Am Ende waren dann die Blumenhändler Schuld, die haben den Muttertag eingeführt.

„Schon besser“, dachte ich. Nicht geil, aber besser.
Und dann ist mir ein Lied entblubbert heut Nacht.
Keine Ahnung, wo das herkam, denn meine Mutter gibt es ja zum Glück noch. Und jetzt mal drauf gepfiffen ob irgendein offizieller Tag für irgendwelche Jemande ist oder nicht:

Geht euch gegenseitig auf den Sack und habt euch dabei lieb, solange ihr noch am Leben seid.
Es kann ganz schön leer sein im Haus, wenn keiner mehr schimpft weil Schuhe im Weg liegen.

Ich hab dich sehr lieb Mama.
Alles Gute zum Muttertag.

Ach Mama

Ja ich weiß heute ist Muttertag
Eigentlich wollt ich dir auch was schenken
Aber ich komm ja hier zu nix mit den Kindern und allem
naja, kannste dir ja denken.
Dann noch zur Maloche und die ganze Wäsche
Und die Nachbarin war ewig da
Aber dir muss ich ja nichts erzählen
Ach Mama, du kennst das ja

Und dann war ich extra im Laden deswegen
überall diese kitschigen Herzen und so Dreck
Dann hab ich nix richt’jes gefunden für Dich
und dann war das Geld trotzdem weg
Die Kleine hat den ganzen Laden zerbrüllt
wegen Matchbox – die sammelt sie ja
Und alle hamse entnervt geglotzt
Ach Mama, du kennst das ja

Und mit Blumen is ja eh alles zugehau’n bei dir
Papa stellt doch immer alles voll
Die sind ja auch dann immer so teuer
und Blumen findste ja nich so doll
Das ist was für Hausfrau’n und tote Omas
haste immer gesagt.
Ach Mama, weißte wie Recht du da hast
Der dämliche Muttertag

Papa sagt, alle wollnse nur Geld
mit dem kommerziellen Mist
Und Recht hat er irgendwie, find ich ja auch
Gerade wenn Feiertach is
Und dann dacht ich, ich komm dich zumindest besuchen
Ich habs nicht gebacken gekriegt
Denn ich mag diesen dummen Grabstein nicht
auf dem steht dass es dich nicht mehr gibt

Und dann steht man davor und glotzt stumm auf die Erde
Und alles ist Staub und Rauch
Papa weint und die Kinder woll’n geh’n
Und ich hab nen Kloß im Bauch
Und das Loch um dass wir herumleben
ist dann irgendwie wahrer als je
Die Sonne scheint zynisch über dein Schweigen
und das Vogelgezwitscher tut weh

Du konntest so schrecklich anstrengend sein
und ich wollt nie so werden wie du
Jetzt werde ich dir immer ähnlicher
und schau mir verblüfft dabei zu
Und dass du das niemals wissen wirst
fühlt sich das jemals besser an, sag?
Ich glaub manches bleibt für immer, Mama
Alles gute zum Muttertag

(Tübingen, Mai ’15/Text: Sarah Lesch)

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Ein Gedanke zu “Ich mochte ja den Muttertag nie.

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