Großer Artikel im Schwäbischen Tagblatt!

So, hier der versprochene Artikel aus dem Tagblatt von unserem letzen Konzert im Jahr 2014. Hier stehen spannende Infos übers Releasekonzert im Mai drin.

Vielen Dank nochmal an Philipp Koebnik für das nette Interview spätnachts an der Bar, und dein Interesse, und den tollen Artikel!

Es braucht mehr Verletzlichkeit

Sarah Lesch verzauberte das Publikum mit ihren gefühlvollen Songs

Tübingen. Der Club Voltaire war vollbesetzt, als am Montag die Tübinger Liedermacherin Sarah Lesch – auch bekannt als „Die Chansonedde“ – die Bühne betrat. Sie legte direkt los mit der ihr eigenen Mischung aus sonnigem Humor, Leidenschaft und Gesellschaftskritik: „Wo ist eigentlich die Auflehnung, wenn man sie mal braucht? Sie ist in der Schule und lernt still zu sitzen.“

Lesch stand am Montagabend mit Gisela Wirtz (Cello) und Dirk Amon (Kontrabass) auf der Bühne. Es war das erste Mal, dass die drei in dieser Besetzung einen ganzen Abend gestalteten. Lesch spielte überwiegend ihre Ukulele, nahm jedoch auch mal die Gitarre zur Hand oder ein kleines Xylophon. Außerdem hatte Amon an diesem Abend seinen ersten Auftritt mit einer neuen Bass-Ukulele.

Das Trio begeisterte das Publikum mal mit eher ruhigen Chansons, mal mit lautstarken Songs. Vom leicht jazzigen „Der Wolf“ mit seinem lässigen Sound bis zum treibenden Rhythmus von „Irgendwas mit Flamingos“ zeigten die drei ihre musikalische Vielseitigkeit.

Die Songs der Chansonedde vermitteln stets eine herzliche Wärme, die jedoch immer wieder durch einen gewissen Sarkasmus gebrochen wird. Wiederkehrende Themen sind Liebe und Freundschaft, Sehnsucht und Verlust, aber auch Heuchelei und Oberflächlichkeit. Leidenschaftlich, wie etwa in „Testament“, wendet sie sich gegen Konsumismus, Ignoranz und unmenschliche Zustände: „Alle finden‘s scheiße, aber alle machen sie mit.“ Und: „Wenn ihr das Welt nennt, bin ich gern weltfremd.“

Das Konzert am Montag war besonders geprägt von Liedern, die sich um Liebe und Liebeskummer, um Einsamkeit und das Scheitern von Beziehungen drehen. Das Publikum war allerdings vorgewarnt – gleich zu Beginn stellte Lesch klar, dass „heute viel Herzschmerz-Scheiße“ kommen werde.

Dennoch waren auch sozialkritische Songs mit politischem Inhalt zu hören. In „Der Kapitän“ wird etwa der Umgang mit Flüchtlingen in der EU thematisiert, wobei sich die Sängerin entschieden gegen Abschottung und emotionale Verhärtung ausspricht. Die Welt brauche „mehr Verletzlichkeit“, mehr Menschlichkeit und Solidarität.

Flüchtlinge willkommen heißen statt abschotten
Der Abend bot indes nicht nur musikalische Unterhaltung. Lesch trug auch einige ihrer Gedichte vor, darunter ein sehr witziges mit dem Titel „Die dumme Schule“, worin es um kindische Späße, aber auch um geistige Enge und Entfremdung in den Lehranstalten geht. Außerdem verlas sie kürzere Texte, darunter ein Plädoyer für humanitäre Hilfe, das der wirkliche „Kapitän“ geschrieben hat. Denn den Hintergrund des gleichnamigen Lieds bildet eine Geschichte aus dem Jahr 2004.

Damals fuhr Stefan Schmidt – der künftige Schwiegervater Leschs – ein Schiff von Cap Anamur, das Hilfsgüter in bedürftige afrikanische Länder bringen sollte. Dabei traf die Besatzung zufällig auf 37 schwarzafrikanische Bootsflüchtlinge, die sie aufnahmen. Italien ließ das Schiff zunächst in keinen Hafen einlaufen. Schließlich wurden Schmidt und andere wegen „bandenmäßiger Schlepperei“ angeklagt und mussten sich einem jahrelangen Gerichtsprozess unterziehen. Schlussendlich wurden sie freigesprochen; aber diese Geschichte offenbare die Unmenschlichkeit der europäischen Flüchtlingspolitik, so die Sängerin.

Zum Ausklang des Konzerts sang – wie üblich bei der Chansonedde – nicht Lesch, sondern Amon. Er gab mit den beiden Songs „Waltzing Matilda“ und „Time“ eine grandiose Tom Waits-Imitation zum Besten, die sehr nah an die raue Kratzigkeit des Originals heranreichte.

Sarah Leschs neues Album wird über Crowdfunding bei www.startnext.de/chansonedde finanziert. Indem man dort eine CD vorbestellt, unterstützt man die Produktion des Albums. Im Mai gibt es ein großes Release-Konzert im Sudhaus. Es wird so konzipiert, dass es auch für Gehörlose geeignet sein wird. Außerdem wird an diesem Abend der „Kapitän“ zugegen sein und ein paar Worte sprechen. Darüber hinaus können Tickets gekauft werden, die über das Asylzentrum Tübingen an Flüchtlinge vergeben werden. Damit möchte Lesch ein Zeichen für eine echte Willkommenskultur setzen. Es verspricht also eine spannende Veranstaltung zu werden.

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