Es rührt sich etwas in mir

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Dieses Jahr haben so viele Menschen wie noch nie versucht über den Seeweg nach Europa zu gelangen. Als ich mein erstes Lied „Der Kapitän“ schrieb, wusste die breite Öffentlichkeit noch nicht so viel wie heute davon, was an unseren Grenzen abgeht und wie die Geschichte von Kapitän Stefan Schmidt und Elias Bierdel damals wirklich ablief.
Auf der Preisverleihung um die es in dem Lied geht, sagte unser lieber Stefan: „Klar sind wir frei gesprochen, aber deswegen hat die ganze Scheiße ja noch lange nicht aufgehört. Es ertrinken immernoch Menschen da draußen Da kann ich doch nicht hier stehen und freundlich winken“ (oder so ähnlich)

Nein, zum freundlich Winken ist es vielleicht noch zu früh. Aber ich höre von Stefan, dass das Theater in Altenburg, meiner Heimatstadt in Thüringen seine Türen am 24.12. 2014 für Asylbewerber und Flüchtlinge öffnet. Und das in einer Stadt, in der viele rechtsgesinnte Menschen leben, oder zumindest lebten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Wo man mir als Kind sagte: „Spiel nicht auf dem Russenberg“ Natürlich hab ich nicht gehört und dort den ein oder anderen Spielkameraden gefunden. Zum Glück.
Außerdem passieren viele schöne Dinge um mich. Das Grandhotel Augsburg startet Aktionen ohne Ende, in meiner Herzensheimat Lübeck vermittelt eine Initiative Flüchtlinge an Wohngemeinschaften, in Görlitz haben liebe BürgerInnen ein Benefizkonzert mit gemeinsamem Kochen mit Sebastian Hackel und mir organisiert und jedes Jahr aufs neue darf ich dank den tollen BewohnerInnen Carlows auf einem mittlerweile ziemlich großen und bunten Benefiz-Open Air spielen mit tollen anderen Bands wie „Herr Bösel“ oder „Hippie Langstrumpf“, die alle ohne Gage dorthin kommen, damit der Erlös an „Borderline-Europe: Menschenrechte ohne Grenzen e.V.“ gespendet werden kann.
Direkt daneben befindet sich ein Jugendhaus mit lauter kleinen Neonazis, die jedes Jahr ein paar Schritte näher kommen und neugieriger werden.

Neulich begegnete mir einer der ehemaligen Boatpeople auf einem meiner Konzerte. Er bedankte sich und sagte mein Lied „Der Kapitän“ hat ihm damals Kraft und Hoffnung gegeben. Ich weiß nicht ob mir jemand hätte was Schöneres über dieses Lied sagen können. Lange Rede für einen Facebook-Post – ich weiß. Viel Zeit für einen – Verzeihung – Furz im Netz, den viele wohl noch nicht einmal zu Ende lesen.

Viel Text, für die Vorweihnachtszeit, in der sowieso alle irgendwie „Geld für irgendwas von euch wollen“
Ich komme ja schon zum Ende, gut gut. Ich habe mir jedenfalls dieses Jahr vorgenommen, ausschließlich Musik zu verschenken von meinen liebsten Kollegen. Und ich wollte (um es mit Funny van Dannens Worten zu sagen) „nur kurz sagen, dass es das Glück wirklich gibt“.
Machen wir es wie Hannes Wader, Prinz Chaos II., Dominik PlanggerKonstantin Wecker und all die anderen Hoffnungssturen. Öffnen wir weiter unsere Augen und Herzen und tun eben das was wir gut können. Wenn es auch nur was kleines ist.
Einmal den Mund aufmachen am Stammtisch, ein freundliches Winken über den Zaun vom „Russenberg“, oder weiter hoffnungssture Lieder singen. Zeigen wir, dass wir da sind. Öffnen wir zuallererst die Grenzen in unseren eigenen Köpfen.Herzerwärmt und hoffnungsvoll,
Eure Chansonedde8

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