Neukommerin des Monats: Interview mit Chansonkritik.de

1422533_577674535638706_561629885_n 1.Warum um Himmels Willen Chanson?

Haha! Ich finde es witzig, dass diese Frage immer so gestellt wird, als wäre Chanson das komischste Genre, das man sich aussuchen kann. Dabei liegt es so nahe. Deutsch ist meine Muttersprache und deshalb fällt es mir am leichtesten, mich auf Deutsch auszudrücken.  Ich habe sehr spät angefangen Gitarre zu spielen, mir alles selbst beigebracht. Ich habe keinen blassen Schimmer von Musiktheorie oder davon, wie Lyrik funktionieren sollte. Mir hat mal jemand geschrieben: „Du reimst Herz auf Schmerz. Das geht eigentlich nicht.“ Doch, geht! Sage ich. Wenn mir danach ist, wieso nicht? Es ist ja meine Musik. Und das Genre „Chanson“ bietet für mich die größtmögliche Freiheit, seiner Inspiration freien Lauf zu lassen. Die meisten Geschichten, die ich erzähle kommen Schlicht und einfach direkt aus dem Leben. Ich würde sagen, dass meine Lieder sehr textlastig  sind und die Musik drumherum versuche ich irgendwie dazu zu basteln, eben mit den Möglichkeiten, die ich habe.

Chanson ist ehrlich, unkonventionell und hat irgendwie Eier. Und es geht darum dass man etwas erzählt- das gefällt mir. Ich habe wahnsinnig viele tolle Liedermacher gehört, die mir das gezeigt haben.

2. Wer hat dich bisher musikalisch inspiriert?

Oh- ganz furchtbar viele! Auch ganz unterschiedliche Musiker oder Bands. Man könnte sagen von Metallica bis Rio Reiser, oder so. Ich finde eigentlich jede Art von Musik irgendwie inspirierend und auf ihre Art kraftvoll und schön. Wenn man beim Chanson bleiben möchte, würde ich sagen: Angefangen hat alles mit Gerhard Schöne und Dota Kehr. Bei deren Liedern hatte ich ganz oft dieses „Lach-Wein“- Gefühl. Ich habe mich immer gefragt, wie zum Geier die das machen, so unendlich schöne Geschichten auf so kluge und gefühlvolle Art und Weise zu erzählen. Leider fand ich die so großartig (auch musikalisch) dass ich immer dachte: Wo nehmen die das her? Wie lassen die sich inspirieren? Und woher wissen die eigentlich, was ich schon alles gefühlt habe, aber nie so hätte ausdrücken können? Das könnte ich nie! J Aber dann! Dann kam „Funny van Dannen“: Die absolute Offenbarung für mich. Dieser Mann kann über zwei Minuten mit weniger als drei Akkorden damit dein Herz öffnen, dass er von einem Plastikball singt. Und da hab ich es begriffen, dass es nicht darum geht, ganz viel zu „können“, sondern darum jetzt ein Lied zu schreiben über was auch immer, dass du genauso meinst wie du es singst. Das war’s! So einfach ist das. Danke Funny!

 3. Wie, wann und wo schreibst du z.B. deine Lieder? Und warum spielst du sie in der Küche?

Die Frage nach dem „Wo“ ist schnell beantwortet: Ich schreibe tatsächlich ausschließlich in meiner  Küche. Hier hab ich alles, was ich brauche: Meinen Laptop, meinen Lieblingsstuhl, eine Couch, Kaffee,  meine Instrumente, Texte, Aufnahmegerät- alles in der Küche: „schmutzige Küche“ eben!

Proben, Abende mit Freunden, jammen- das spielt sich alles in der Küche ab. Deshalb nehme ich die Lieder auch hier auf. Und nicht dass jetzt einer denkt, dass mein Bezug zur Küche etwas mit meinen Qualitäten als Hausfrau zu tun hat. Ich kann super den Abwasch stehen lassen und lieber Musik machen!

Schreiben kann ich am besten an freien Vormittagen, weil mein Sohn da in der Schule ist und abends, wenn er im Bett ist. Sobald jemand in der Wohnung ist, kann ich irgendwie nicht schreiben. Ich muss dazu alleine sein. Außer ich hab eine ganz dringende Idee, die sofort aufs Papier muss. Dann geht’s schon auch mal mit Kind am Rockzipfel.

Wie ich schreibe ist schwierig zu beantworten. Das ist so unterschiedlich, weil jedes Lied da seine eigene Entstehungsgeschichte hat. Es gibt Lieder, die entstehen in fünf Minuten, an anderen schreibe ich wochenlang und manche werden nie richtig fertig. Manchmal sammele ich über Wochen Ideen, oder ich hab einen Blitzgedanken oder ich muss mir die Inspiration regelrecht suchen. Mein Rezept hierfür: Langeweile zulassen und Joachim Ringelnatz lesen J ! Aber meistens kommt die  Inspiration eigentlich überall her. Aus dem Alltag, den Nachrichten oder aus besonderen Begegnungen, aus Träumen oder Gesprächen. Man muss nur mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen.

4. Was war dein bisher schrägstes Konzerterlebnis?

Hm, schräg trifft es vielleicht nicht- aber sehr schön:

Das war, als ich zum ersten Mal mit meinen eigenen Liedern aufgetreten bin. Auf der Bühne zu stehen, das kannte ich- aber mit eigenen Songs! Das war höllisch aufregend. Das Konzert war im Norden bei einem Benefiz- Open – Air. Ich hatte grade das Lied „Das Leben ist schön“ ganz frisch geschrieben für meine Oma, die kurze Zeit vorher leider verstorben war. In dem Lied geht es ja darum, dass Trauer nicht nur etwas Schlimmes ist, sondern auch ganz viel Freude über das Leben auslösen kann und dass ich ihr keine traurigen Lieder mehr schreiben will.

Ich hab gesagt, dass das Lied für sie ist und dass ich es heute das erste Mal „laut“ für sie spielen werde. Als ich das Lied dann gespielt hab, hat die ganze Menge auf einmal den Refrain mitgesungen. Und beim nächsten Blick ins Publikum, schaute ich plötzlich in wahnsinnig viele weinende Gesichter- so glücklich weinende Leute, denen das Lied offensichtlich total „ins Herz gerutscht war“. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet – Und dann sind DIE mir ins Herz gerutscht. Gott sei Dank war es das letzte Lied. Ich bin weinend und völlig überwältigt von der Bühne gegangen. Ich glaube sowas emotionales und wunderschönes hab ich noch nie auf einem Konzert erlebt. Da schreibt man monatelang in seiner Küche Zeug zusammen und kann sich überhaupt nicht vorstellen, ob irgendjemand das verstehen kann, was man da erzählt. Und dann sind die Leute so berührt. Das ist sowieso das schönste am Musik machen, wenn jemand deine Lieder in sein Herz lässt.

sarah1k5. Wessen Vorband wärst du gerne mal?/Wen hättest du gerne als Vorband?

Puh- darüber hab ich mir irgendwie noch gar keine Gedanken gemacht. Ich habe neulich eine Band entdeckt, die ich ganz toll finde. „Heinz Ratz & Strom und Wasser  featuring  the Refugees“ heißt das Projekt. Heinz Ratz hatte die Idee, durch ganz viele Flüchtlingslager zu touren und sich dort Musiker zu suchen. Jetzt sind die zusammen auf Tour. Das finde ich eine großartige Idee. Also bei denen würde ich total gerne mal als Vorband auftreten.

Dieses Interview erschien unter dem Titel „Neukommerin des Monats“ am 29. Juni 2012 bei chansonkritik.de und ist HIER weiterhin zu finden.

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